Auf wiedersehen

Ich habe in letzter Zeit wenig geschrieben und werde auch in Zukunft nicht dazu kommen. Die Wahrheit ist, dass mich mittlerweile andere Projekte beschäftigen und ich für diesen Blog keinen Kopf mehr habe.

Hinzu kommt, dass ich im Moment gar nicht so viel Zeit im Westerwald verbringe und sich das in Zukunft auch nicht ändern wird.

Also beende ich diesen Blog hiermit. Auf wiedersehen!

Advertisements
Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Rechte Hetze und Gegenveranstaltung in Bad Marienberg

Besorgte Bürger demonstrieren gegen Masseneinwanderung

Torsten und Edwin demonstrieren kommenden Donnerstag „gegen Masseneinwanderung, Extremismus von rechts, links oder religiös begründet und die Verarmung und Vernachlässigung unseres Landes.“ „[…] es ist ein freundlicher Protest der Bürger, die sich Gedanken über Ihr Land machen.“

Das ganze läuft unter dem Motto Der Westerwald steht auf und wird von der Facebook-Gruppe Stegskopf, wir sagen Nein verbreitet, was eine typische „Nein zum Heim“ – „besorgter Volksmob“ – Gruppe bei Facebook ist.

Dass fremdenfeindliche Propaganda im Westerwald auf fruchtbaren Boden fällt, ist für Menschen aus dem Westerwald wahrscheinlich nicht überraschend. Im Rest von Deutschland scheint es ja ähnlich zu sein.

Die bunte Mitte ruft zum Gegenprotest

Ein Bündnis um lokale Politiker*innen, Gewerkschaften und Kirchenmenschen ruft zum bunten Gegenprotest. Auch hierzu gibt es eine Facebook-Gruppe mit glücklicherweise immerhin doppelt so vielen Zusagen wie der eigentlichen Veranstaltung.

Nun sind das für mich auch nicht unbedingt Sympathieträger, aber dass sie mir zehnmal lieber als die Westerwälder Dummdeutschen sind, die froh sind mal wieder jemanden zum nach unten treten gefunden zu haben, ist glaube ich auch kein Geheimnis.

Um (voll trendy) einen hinkenden historischen Vergleich heranzuziehen: Lieber Volksfront als Nazis. Also auf, auf nach Bad Marienberg, den Rassist*innen nicht die Straßen überlassen.

Bitterer Beigeschmack

Was trotzdem bleibt ist der bittere Beigeschmack, denn auch wenn die Diskussionen über das Thema nicht überall ganz so oberflächlich sind wie auf Facebook, findet unterm Strich doch viel zu wenig Auseinandersetzung mit irgendwelchen Hintergründen statt.

Ich werde das im Moment nicht weiter ausführen, das habe ich ja bereits an anderer Stelle getan.

Solidarität mit allen Geflüchteten!

 

PS: Habe ich eigentlich schonmal das Lied Zusammenhänge von Sookee feat. Spezial-K erwähnt? 😉

Veröffentlicht unter Antifaschismus, Musik, Rassismus, Westerwald | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Résumé zum dritten Freie Software Café im Westerwald

Letzten Donnerstag hat das dritte Freie Software Café stattgefunden. Einer der Teilnehmenden hat ein Résumé verfasst und mir zur Verfügung gestellt:

 

Freies Software Café im Westerwald

Resümee zum dritten Treffen

Am 08. Oktober trafen wir uns –- zum mittlerweile dritten Mal -– zum Freien Software Café. Leider konnten nur 4 Personen an diesem gemütlichem Abend im Scheunencafé in Faulbach anwesend sein.

Aus gegebenem Anlass wurde sich nicht über das Tor-Projekt unterhalten, sondern erhellend darüber gesprochen, wie man Flüchtlingen in der Region mittels Computertechnologie und freier Software helfen kann. Es wurde vorgeschlagen, den Flüchtlingen die Kommunikation zu erleichtern, indem man ihnen einen kostenlosen Zugang zum Internet ermöglicht. Dabei wurden mehrere Alternativen diskutiert und die Vor- und Nachteile erörtert.

Die Idee ist, in Westerburg ein leerstehendes Gebäude zu einem freien Internetcafé zu wandeln und dort allen Menschen kostenlose und freie Kommunikation und einen unkomplizierten Zugang zum Internet zu gewähren. In diesem Zusammenhang ist auch geplant, freies WLAN in Kooperation mit dem Freifunk-Projekt (http://freifunk.net/) allen Besuchern und Interessierten zur Verfügung zu stellen. Dabei wurde im Netz nach der benötigten Firmware und einem kompatiblen Router für ein freies WLAN gesucht sowie die rechtliche Lage in Deutschland bzw. Schweden (darüber werden die Benutzer des Freifunks geroutet) und die Haftung der WLAN-Bereitsteller und -Benutzer recherchiert.

Es entstand dann eine Unterhaltung darüber, ob man freies WLAN direkt in einem Flüchtlingsheim anbietet, damit diese es einfacher haben, oder ob man ein Café in der Stadt eröffnet, in das Flüchtlinge erst hingehen müssen, aber dafür mehr Kontakt zu anderen Menschen erhalten. Es konnte eine andere Freifunkgruppe in der Nähe gefunden werden, nämlich Freifunk Mayen-Koblenz (http://freifunk-myk.de/). Diese haben auch schon angefangen, Flüchtlinge in ihrer Unterkunft mit WLAN zu versorgen. Deshalb kam uns die Idee, diese Gruppe in Koblenz zu besuchen und uns mit ihnen über ihre Erfahrungen auszutauschen.

Im zweiten Teil des Abends hat uns einer der Anwesenden sein Open Source-Projekt vorgestellt, welches er im Auftrag eines Heizungsherstellers entwickelt hat. Mittels seiner Software ist es nun komfortabel möglich, ein Thermostat einer Heizung über ein Touchscreen fernzubedienen, welches per Funk einen Servomotor in besagtem Thermostat steuert. Mit solchen spannenden Projekten ist es möglich, nicht nur die Open Source-Community um weiteren Quellcode zu bereichern, sondern auch von Freier Software zu leben.

Das nächste mal treffen wir uns am 19.11. um 19 Uhr (3. Donnerstag des Monats) und wir freuen uns auf neue und alte Teilnehmer mit frischen Ideen.

***
Fun Fact: Am 4. Oktober ist die Free Software Foundation 30 Jahre alt geworden.
***

Veröffentlicht unter IT, Westerwald | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 1 Kommentar

Drittes Freie Software Café im Westerwald

Freie Software Café am 8.10. in Faulbach

Kommenden Donnerstag ist es wieder soweit: Am 8.10. findet ab 19 Uhr im Scheunencafé in Hadamar-Faulbach das dritte Freie Software Café statt, auf dem sich interessierte über Freie Software und Open Source austauschen werden.

Beim letzten Mal gab es den Themenwunsch Tor Browser und anonymes Surfen im Internet. Es wird vermutlich wieder eine kleine Runde und eher gemütliche Runde zwischen fünf und zehn Personen.

Also, Freie Software-Interessierte, kommt nach Faulbach! 🙂

Veröffentlicht unter IT, Westerwald | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Ein Anarchist auf Reisen

Viel Unterwegs

Im Moment gibt es von mir noch weniger Beiträge als sonst. Das liegt daran, dass ich recht wenig Zeit zu Hause bin. Auch in den nächsten Wochen wird es also etwas dünn mit Beiträgen von meiner Seite. Das wollte ich nur gesagt haben.

Veröffentlicht unter Allgemein | Kommentar hinterlassen

Gegen das Vergessen – Gedenkstätte Hadamar

Gedenkstätte Hadamar

Ich hatte kürzlich nochmal Gelegenheit, die Gedenkstätte in Hadamar zu besuchen. Mein Fazit: Gut, dass es diese Gedenkstätte gibt und ich kann nur empfehlen, mal dort vorbeizufahren.

In Hadamar wurden in den Jahren 1941 bis 1945 mehr als 14.000 Menschen ermordet, mehr als 10.000 davon in der Gaskammer. Das waren vor allem Menschen mit Behinderungen, psychischen Erkrankungen, Erbkrankheiten oder auch nur auffälligem Lebenslauf.

Also Menschen, die nach der nationalsozialistischen Vorstellung von Rassenhygiene nicht gesund für den deutschen Volkskörper waren.

Gedenken

Es ist schon mehr als gruselig, was damals alles passiert ist. Bei dem Besuch in der Gedenkstätte wird man mit intensiven Eindrücken überflutet. Wut, Trauer, Entsetzen, Hilflosigkeit. Ich kann das hier kaum wiedergeben und halte es wirklich für sinnvoll, sich das selbst anzugucken.

Gedenken ist wichtig, denn nur in der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit lässt sich die Zukunft gestalten. Und auch die Gegenwart lässt sich besser verstehen. Denn auch wenn heute nurnoch wenige Zeitzeug*innen leben, prägt die Nazizeit unsere Gesellschaft noch an vielen Stellen.

Die kaum geschehene Entnazifizierung und die kollektiven Schuldgefühle und damit einhergehenden Schuldzuweisungen an die Opfer in der Nachkriegszeit, die Rebellion der Nachfolgegeneration, die Entstehung eines neuen Antifaschismus, die ungebrochene Identifizierung mit dem deutschen Volk und daraus entstehend bis heute Abwehrreaktionen gegen kollektive Schuldgefühle.

All das ist nach wie vor präsent. Ich bin kein Fan von „Wir sind alle Täter“-Ideen, die gerade eben nicht zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern einer Flucht in Entschuldigungen und Passivität führen, wie Konzepte von Schuld meistens den Fokus weg von Verantwortung lenken.

Man kann sich als Nachfahre von Nazis auch hinter dieser Schuld-Mentalität verstecken, anstatt die eigene Verantwortung für die Gestaltung der Gesellschaft wahrzunehmen.

Was aber dabei nicht vergessen werden darf (und das tun viele „neue Rechte“, die bisher ähnlich argumentieren): Wer Deutschland sagt, muss auch Nationalsozialismus sagen. Nicht nur, weil wie oben geschrieben, dieser Abschnitt der Geschichte auf verschiedene Arten in die Gegenwart nachwirkt.

Sondern auch weil die Konstruktion eines deutschen Volkes, wie sie ständig passiert, nicht einfach die Jahre streichen kann, die einen schlechten Eindruck machen (was allerdings auch ständig passiert).

Deutschland muss sterben, damit wir leben können

Dieser Ausspruch hat hier meiner Meinung nach eine wichtige zweite Bedeutung: Erst wenn der Gedanke eines deutschen Volkes (und der Gedanke eines Volkes überhaupt) endgültig aufgegeben wird, kann endlich vorbehaltlos mit der Zeit des Nationalsozialismus abgerechnet werden.

Und erst dann kann sich ein effektiver Antifaschismus durchsetzen, der nicht zur Maxime erhebt, „dass Auschwitz nie wieder sei“, sondern konsequent, „dass Deutschland nie wieder sei“. Oder wie es als Parole schon lange verbreitet ist: „Nie wieder Deutschland!“

Erst dann können auch die Nachfahren der Nazis aufhören sich schuldig zu fühlen und in Reaktion aufhören die überkommene Vorstellung des Deutschen zu verteidigen, stattdessen frei die Fragen zu stellen: „Wie wollen wir leben?“ und „Wie können wir ein zweites Auschwitz wirklich verhindern?“

Parallelen zur Gegenwart

Abgesehen von diesen Gedanken, lief es mir bei einer Erkenntnis kalt den Rücken runter: Die von Antifas immer wieder hervorgehobenen und von allen anderen ständig runtergespielten Parallelen zwischen damals und heute.

Als ich zum Beispiel „Deutschland schafft sich ab“ von Sarrazin gelesen habe, dachte ich: „Rassistisch, sozialdarwinistisch, alles nur nach seinem Nutzen für das deutsche Volk beurteilend. Kurz: Voll im Zeitgeist.“

Seine platte Argumentation und seine menschenfeindlichen Grundsätze waren mir schon so gut bekannt, dass ich die Empörung darüber nur als Heuchelei empfinden konnte. Mich hat es weder gewundert, dass er ausgerechnet aus der SPD kam, noch dass sein Buch so großen Erfolg gehabt hat.

Ohne jetzt einen direkten Bezug herstellen zu wollen, hat mich die Propaganda zum Thema Erbkankheiten, Volksgesundheit, Rassenhygiene, „Schmarotzer“ und so weiter, aber unweigerlich an die Lektüre dieses Buches erinnert. Oder vielleicht auch nur an die Diskussionen mit Idioten, die ich in der gleichen Ecke einsortiere.

Und das hat mich sehr erschreckt. Das unerhörte an Sarrazin war, dass er den ganzen Müll einen Schritt weitergedacht hat. Die Grundstimmung von früher lässt sich im deutschen Volksmob schon seit Jahren wieder erkennen. Es wird einfach noch nicht konsequent zu Ende gedacht (auch von Sarrazin nicht). Vielleicht aus Angst vor dem, was an dessen Ende steht.

Wehret den Anfängen!

Die Grundlagen sind vorhanden: Die Idee eines deutschen Volkes mit entsprechende Abgrenzung von latenten Feindbildern. Die Unterteilung von Menschen in nützlich und nutzlos. Die Unfähigkeit eine gesellschaftliche Diskussion auf höherem als Stammtischniveau loszutreten. Projektion von Schuld auf Sündenböcke.

Die äußeren Umstände als Katalysatoren werden immer stärker: Die Teilung in arm und reich, ständiger gefühlter Mangel (künstlich erzeugt durch Medien und real durch Überschuldung und Krisen als Begleiterscheinungen des Kapitalismus).

Wenn wir es nicht schaffen, dem etwas entgegenzusetzen, marschieren sie bald wieder. Und dann ist die Kacke am dampfen.

Schon jetzt wird unter dem Einfluss des allgemeinen Rechtsrucks auch die extreme Rechte immer stärker. Mit immer offener werdender Hetze, Anschlägen und einer ungebrochenen Bezugnahme auf den Nationalsozialismus.

Veröffentlicht unter Antifaschismus, Rassismus, Westerwald | Verschlagwortet mit , , , , , , | Kommentar hinterlassen

Öffentliche Bücherschränke im Westerwald

Wohin mit den Büchern?

Ich lese gerne und viel und entsprechend bin ich im Besitz einiger Bücher. Die meisten davon werde ich in der nächsten Zeit nicht lesen. Einige, teilweise auch wirklich gute Bücher, werde ich vermutlich gar nicht mehr lesen.

Da ich es nicht für allzu sinnvoll halte, ungenutzte Gegenstände im Schrank verstauben zu lassen, verschenke ich solche Bücher normalerweise an Personen, von denen ich glaube, dass sie das jeweilige Buch interessieren könnte.

Vor ein paar Tagen hatten sich wieder einige Bücher in der Kategorie „werde ich so bald nicht mehr reingucken“ angesammelt und weil ich gerade nicht wusste, wem ich sie schenken könnte, habe ich mich nach anderen Möglichkeiten umgesehen.

Es gibt diese Idee der öffentlichen Bücherschränke, die mir gut gefällt. Denn die Bücherschränke sind wirklich offen und frei für jede*n zugänglich.

Wie ich herausgefunden habe, gibt es davon mindestens zwei im Westerwald, nämlich einen in Hachenburg und einen in Altenkirchen. Also habe ich dort meine Bücher abgeladen. Lohnt sich unbedingt mal auszuchecken.

Vorteile des freien Teilens

Wie auch Umsonstläden, Freie Software, Creative Commons – lizensierte Werke und ähnliches haben öffentliche Bücherschränke zwei wesentliche Vorteile.

Erstens werden erheblich weniger Ressourcen benötigt um dasselbe zu erreichen. Wenn ein Buch hunderte Male von unterschiedlichen Personen gelesen werden kann, müssen weniger Bücher gedruckt werden.

Freie Software wirkt sich eher so aus, dass viel weniger Code mehrmals geschrieben wird, weil auf vorhandenes zurückgegriffen werden kann.

Ein weiterer Vorteil ist der Wegfall von materiellen Zugangsbeschränkungen. Das geht von Menschen, die wirklich kein Geld für Bücher übrig haben über solche, die so viel lesen, dass sie es nicht mehr leisten können bis zu denen, die zwar gerne mal ein Buch lesen würden, denen es aber nicht so viel Wert ist, dass sie Geld dafür ausgeben würden.

In anderen Bereichen fällt das aber noch viel mehr ins Gewicht. Frei zugängliche Werkzeuge zum Beispiel. Aber auch freie Software, die es ermöglicht (teilweise mit uralter Hardware) finanziell schlechter gestellten Menschen Anschluss an das digitale Zeitalter zu ermöglichen. Wer das für überzogen hält, braucht nur mal einen Blick über den Tellerand der reichen BRD werfen.

Solche Projekte leisten einen Beitrag zur Vergemeinschaftlichung gesellschaftlichen Wohlstandes.

Kritik an Tauschökonomie

Aber es gibt auch viel berechtigte Kritik an Tausch- und Schenkökonomie.

Der erste Punkt, mit dem manche Projekte zu kämpfen haben: Viele Menschen sehen solche Projekte als Möglichkeit, ihren Schrott loszuwerden und gleichzeitig noch das schlechte Gewissen zu beruhigen.

Das sollte es ja nun nicht sein. Bücher, die ich nur nicht mehr haben will, weil sie einfach schlecht sind, landen bei mir im Altpapier. Zerfetzte Klamotten gebe ich in keinen Umsonstladen, sondern in den Müll.

Und ich bringe auch nicht zehn Bücher weg um mit ruhigem Gewissen wieder zwanzig kaufen zu können, von denen ich am Ende nur drei lese.

Das ist aber eigentlich ein untergeordneter Kritikpunkt.

Entziehung der Lebensgrundlage der Produzent*innen

Interessanter wird es schon, wenn man sich direkt die Arbeitsbedingungen der Produzierenden anschaut. Wenn weniger Nachfrage nach Büchern besteht, wird es schwieriger für Autor*innen, ordentliche Honorare zu bekommen.

Wie bei der Automatisierung von Arbeitsabläufen werden Jobs häufig einfach wegrationalisiert. Nun könnte man noch sagen: Dann wird Arbeitskraft für andere Tätigkeiten verfügbar.

In einem kommunistischen System wäre das für Softwareentwicklung zum Beispiel zutreffend. Man braucht weniger Softwareentwickler*innen, also können mehr Menschen ihre Zeit für etwas anderes aufwenden.

Aber im Kapitalismus ist es aus Sicht der Lohnabhängigen immer schlecht, wenn die Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt. Die oben erwähnte „andere Tätigkeit“ bedeutet dann allzu oft Hartz IV oder prekäre Arbeit.

Zerstörung von Nischenkultur

Oft ist etwas nur finanzierbar (das heißt, die Produzierenden bezahlbar), wenn es eine gewisse Anzahl an Abnehmer*innen gibt. Besonders bei massenhaft vervielfältigbaren Produkten spielt das eine Rolle.

Sagen wir, wir bräuchten plötzlich nur noch 50% der Bücher kaufen. Auflagenstarke Verlage und Autor*innen verdienen dann etwas weniger, aber immer noch genug. Nischenprodukte mit sowieso schon geringer Auflage gehen Pleite.

Am Beispiel von Büchern, wo aus verschiedenen Gründen tendenziell immer weniger verkauft werden, kann man genau dieses Phänomen schon beobachten.

Unterwanderung der Arbeitsbedingungen

Wie oft von Linken angeführt, wird mehr und mehr der*die Konsument*in auch zum*zur Produzent*in. Das heißt, Aufgaben werden mehr und mehr in die Freizeit der Menschen ausgelagert.

Heutzutage berät man sich selbst via Google (übrigens gibt es auch coolere Suchmaschinen wie duckduckgo.com ), macht Werbung für Firmen in sozialen Netzwerken, betreut andere Kund*innen und arbeitet an kommerzieller quelloffener Software mit.

Hinzu kommt eine immer weitere Verbreitung von Microjobs, meist unterirdisch bezahlt, und geprägt von Prekarität und Vereinzelung. Eingeführt als bequeme Möglichkeit zum Nebenerwerb von zu Hause, werden solche Jobs spätestens ein Problem, wenn Mensch finanziell darauf angewiesen ist.

Kommerzialisierung des gesamten Lebens

Ähnliches gilt, wenn Unternehmen unter dem Image des Tauschens und Teilens Kohle machen, indem sie immer weitere Bereiche des Lebens kommerzialisieren. Vermietung der eigenen Wohnung oder Zimmer für Kurzzeittrips, oder des Autos für Mitfahrten.

Ähnlich wie bei herkömmlichen Freiberufler*innen, nur extremer, werden auf diese Weise teure „normale“ Arbeitsverhältnisse durch prekäre ersetzt.

Menschen werden mit der Möglichkeit gelockt, durch ungenutzte Ressourcen unkompliziert ein paar Euro dazuzuverdienen. Die zusätzlichen Belastungen werden im öffentlichen Diskurs nicht wahrgenommen.

Innerhalb kürzester Zeit wird es als normal angesehen, sein ganzes Leben zu verkaufen. Und obwohl alle damit überfordert sind, wird es zur Vorraussetzung, die von den Menschen geradezu erwartet wird (zumindest von denen, die materiell schlechter gestellt sind).

Interessantes Beispiel sind hier die Tafeln, die zunächst nach einer guten Idee aussahen, aber dann soweit assimiliert wurden, dass bei Diskussionen über die Höhe des Hartz IV Satzes regelmäßig Argumente fallen, dass Arbeitslose sich ja bei der Tafel etwas zu essen holen könnten, wenn das Geld nicht reicht. (Abgesehen von anderen Kritikpunkten an den Tafeln.)

Fazit

Es ist wichtig, diese Mechanismen zu benennen und zu hinterfragen und ihnen etwas entgegenzusetzen. Solidarität und Klassenkampf sind hier Schlagworte, die jede*r selbst mit Inhalt füllen und kritisch in den eigenen Alltag einbauen kann.

Trotzdem bin ich nach wie vor überzeugt, dass bedingungsloses Schenken und Teilen ein Schritt in die richtige Richtung ist. Wer eine anarchokommunistische Wirtschaftsordnung anstrebt, darf nicht bei einer ständigen Abgrenzung und Erhaltung materieller Privilegien steckenbleiben.

Diese Versuche sollten aber nie isoliert betrachtet werden. Teilen als Selbstzweck reicht einfach nicht. Es muss als Baustein emanzipatorischer Politik begriffen und gelebt werden.

Insofern ist die Unterstützung kommerzieller Netzwerke, die den Menschen als Ressource betrachten, nicht emanzipatorisch. Und das meine ich von Altkleidercontainern über Carsharing bis zu kommerziellen Tauschringen, auch wenn es aufgrund finanzieller oder sonstiger Überlegungen trotzdem im Einzelfall sinnvoll sein kann diese zu nutzen.

Es ist vor allem wichtig, solche Netzwerke und Projekte fördern, die hierarchiefreien Zugriff für jede*n ermöglichen, an denen niemand verdient und die als bewusst emanzipatorische und solidarische Alternative von unten begriffen werden und weder als Almosen von oben noch als kommerzielle Pseudo-Win-Win-Situation.

Um zu dem Beispiel mit den Büchern zurückzukommen: Die freigewordenen Ressourcen durch frei zugängliche Bücher könnten auch genutzt werden, um Autor*innen oder Verlage zu unterstützen.

Besonders solche, die mit frei zugänglichen Lizenzen wie Creative Commons sympathisieren, sollten dafür nicht bestraft werden. Wenn diesen durch freiwillige Unterstützung eine Lebensgrundlage geschaffen werden kann, die nicht als „Spende“ angesehen wird, dann kann das ein großer Schritt in Richtung „Alles für Alle“ sein.

Veröffentlicht unter Allgemein, Anarchismus, Bücher, Westerwald | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Kommentar hinterlassen