Solidarität mit dem Arbeitskampf der GDL

Der Arbeitskampf der GDL

Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer befindet sich seit ein paar Monaten im Arbeitskampf. Die Forderungen: Mehr Lohn, weniger Arbeitszeit, weniger Überstunden und die Möglichkeit, das ganze Zugpersonal zu vertreten, nicht nur die Lokführer.

In diesem Zuge gab es Streiks und Streikdrohungen der GDL. Von den Medien wurde das nicht besonders gut aufgenommen, die Bundesregierung sieht sich darin bestätigt das Streikrecht einschränken zu müssen und der*die deutsche Wutbürger*in ist empört über die Zugverspätungen und -ausfälle.

Einschub: die armen Fahrgäste

Hat eigentlich jemand schonmal eine*n dieser auch jetzt wieder sich tierisch über die Streiks aufregenden Meckerbürger*innen dabei beobachtet für etwas anderes als den eigenen Vorteil  aufzustehen? Diese ständige neidische Angst, dass irgendwer einen Krümel zu viel vom Kuchen abbekommen könnte, die ständige Selbstinszenierung einer privilegierten bürgerlichen Mittelschicht als Opfer der anderen, das geht mir tierisch auf die Nerven.

Aber genug davon, ich fange schon an wie die… Ist natürlich ärgerlich, wenn der Zug nicht kommt. Aber ein bisschen Solidarität und weniger Fixierung auf sich selbst wären schon sympathisch.

Zurück zum Arbeitskampf

Erstmal sind die Forderungen glaube ich gar nicht so besonders. Lokführer sind weder Topverdiener noch prekär. Forderungen nach mehr Lohn und weniger Arbeit sind da angesichts der guten finanziellen Lage der Deutschen Bahn durchaus normal.

Es gibt immer wieder das Argument, dass die, die eh schon viel verdienen, sich jetzt noch mehr erstreiken, weil sie die Macht dazu haben und die einfachen Menschen mit wenig Geld müssen auf ihre Züge warten. Auch wenn zugegebenermaßen andere schlechter verdienen und andere soziale Baustellen dringender wären, heißt das noch nicht, dass der Arbeitskampf der GDL nicht gerechtfertigt ist. Solche Argumente dienen (mit Erfolg) der Spaltung der Arbeiter*innen. Was aber gerade von Nöten wäre, ist Solidarität.

Neben mehr Geld verlangen die Lokführer*innen auch eine Reduzierung der Arbeitszeit und Überstundenbegrenzung. Das halte ich für sinnvoll. Nicht, weil 39 Stunden Wochenarbeitszeit komplett unzumutbar wären, sondern weil es die Arbeit als Selbstzweck infrage stellt. Arbeit ist nicht dazu da, Menschen zu beschäftigen, sondern Menschen zu nützen. (Oder für die Haarspalter*innen unter uns: Arbeit ist eben doch dazu da, um Menschen zu beschäftigen und gehört deshalb eigentlich abgeschafft.) Also wieso nicht (anstelle höherer Lohnforderungen) die Arbeit mit den arbeitslosen Koleg*innen teilen?

Tarifeinheit, Tarifpluralität

Bevor die inhaltlichen Verhandlungen aber überhaupt losgehen konnten, gab es lange Streit über einen anderen Punkt: Darf (/sollte) die GDL auch weiteres fahrendes Personal außer Lokführer*innen vertreten oder ist das Zuständigkeit der EVG?

Mal ganz naiv: Natürlich darf sie das! Koalitionsfreiheit und so. Hallo?!

Ich kenne mich zugegeben mit den Machtkämpfen großer Gewerkschaften nicht aus, habe aber schon mitbekommen, dass es keinesfalls immer nur um die Interessen der Arbeiter*innen geht. Trotzdem ist das das einzige, von dem ich hier ausgehen möchte.

Die nicht-Lokführer*innen, die von der GDL mitvertreten werden, können alleine nicht annähernd so viel Druck aufbauen wie die Lokführer*innen. Also ist die gemeinsame Organisierung ein guter Schritt in Richtung Arbeiter*innensolidarität.

Davon abgesehen gibt es jetzt viele Stimmen, die aufgrund des völlig unverhältnismäßigen, bösen, niederträchtigen, die gesamte Republik lahmlegenden Arbeitskampfes der GDL das Tarifeinheitsgesetz fordern. Das wäre wirklich ein Tritt ins Gesicht der Arbeiter*innenbewegung.

Denn das würde bedeuten, dass nur noch große (und zumeist zahme) Gewerkschaften überhaupt Tarifverträge aushandeln und streiken könnten. Ich befürchte aber, dass den meisten Menschen in Deutschland nicht einmal einleuchtet, wieso das ein Problem sein könnte.

Eine revolutionäre Perspektive

Was Arbeitskampf allgemein aus der persönlichen Vorteilshascherei befreien kann, ist die revolutionäre Perspektive. Kurzfristig mögen mehr Geld und kürzere Arbeitszeiten berechtigte Forderungen sein, langfristig macht aber nur eine Abschaffung des Kapitalismus und des Staates Sinn.

Gewerkschaften, die diese revolutionäre Perspektive teilen, sind heutzutage zumeist winzig. Die Freie ArbeiterInnen Union (FAU) hat zum Beispiel bundesweit nur einige hundert Mitglieder. Da das Tarifeinheitsgesetz diese Gewerkschaften praktisch handlungsunfähig macht, ist es auch aus taktischen Gründen abzulehnen.

Wenn wir aus anarchistischer (oder anarchosyndikalistischer) Sicht zu einer Emanzipation der Arbeiter*innenklasse beitragen wollen, müssen wir uns einerseits dafür einsetzen, dass diese kampf- und handlungsfähig bleibt. Deshalb unterstütze ich den Arbeitskampf der GDL.

Auf der anderen Seite halte ich auch Aufklärungsarbeit für wichtig, um den revolutionären Gedanken aufrecht zu erhalten. Mit Staat und Kapital ist keine freiheitliche Gesellschaft zu realisieren. Sozialpartnerschaft, gelbe Gewerkschaften, linke Parteien, …meiner Meinung nach reicht ein intensiver Blick in die Geschichte der Arbeiter*innenbewegung, um zu erkennen, dass diese Konzepte dem Ziel der Befreiung der Arbeiter*innen zuwiderlaufen.

Hände weg vom Streikrecht

In diesem Sinne möchte ich noch auf eine Demo gegen das Tarifeinheitsgesetz in Frankfurt am 18.4. hinweisen: Hände weg vom Streikrecht.

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